Wenn der geliebte Vierbeiner bei jeder Autofahrt zittert, sabbert oder sich übergibt, bricht das Herz jedes Hundebesitzers. Die Vorfreude auf einen gemeinsamen Urlaub oder einen Ausflug verwandelt sich in Sorge und Anspannung – nicht nur für den Hund, sondern für die gesamte Familie. Doch hinter der Reisekrankheit bei Hunden steckt mehr als nur ein empfindlicher Magen. Die Reisekrankheit – medizinisch als Kinetose bezeichnet – entsteht durch widersprüchliche Signale, die das Gehirn des Hundes erhält. Die richtige Ernährung kann dabei helfen, dass unser treuer Begleiter die Fahrt entspannter meistert.
Warum der Magen beim Reisen rebelliert
Während die Augen Bewegung wahrnehmen, meldet das Gleichgewichtsorgan im Innenohr etwas anderes. Diese Diskrepanz zwischen den Sinneswahrnehmungen löst Übelkeit und Erbrechen aus. Besonders junge Hunde sind betroffen, da ihr Gleichgewichtssystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Die Teile des Innenohrs entwickeln sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres vollständig, weshalb die Reisekrankheit bei vielen Welpen mit etwa zwölf Monaten von selbst verschwindet. Etwa jeder sechste Hund leidet unter Reisekrankheit, wobei Welpen und junge Hunde besonders häufig betroffen sind.
Doch auch bei erwachsenen Tieren kann sich eine erlernte Angst vor dem Autofahren entwickeln, wenn frühere Fahrten mit Übelkeit oder unangenehmen Erfahrungen verbunden waren. Der Körper erinnert sich – und bereitet sich bereits vor dem Einsteigen auf die vermeintliche Bedrohung vor. Diese Angst kann mit der Zeit sogar größer werden, wenn der Hund das Auto mit negativen Erlebnissen verknüpft.
Der richtige Zeitpunkt für die Fütterung
Ein voller Magen verstärkt die Symptome der Reisekrankheit erheblich. Aus diesem Grund sollte die letzte größere Mahlzeit einige Stunden vor Reiseantritt erfolgen. Dies verhindert nicht nur Erbrechen, sondern reduziert auch die Produktion von Magensäure, die bei Stress verstärkt ausgeschüttet wird und zusätzliche Übelkeit verursacht.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass der Hund völlig nüchtern sein sollte. Ein komplett leerer Magen kann ebenfalls Probleme verursachen, da der Blutzuckerspiegel abfällt und Schwäche sowie Zittern auftreten können. Die Kunst liegt im richtigen Gleichgewicht zwischen leerem und überfülltem Magen.
Leichte Kost für schwere Stunden
Was Ihr Hund vor einer Reise frisst, spielt eine entscheidende Rolle. Schwer verdauliche Nahrung belastet den Magen-Darm-Trakt zusätzlich. Stattdessen sollten Sie auf leicht verdauliche Kohlenhydrate und mageres Protein setzen. Gekochter Reis oder Haferflocken mit magerem Hühnchen oder Pute bilden eine besonders magenfreundliche Kombination und liefern dennoch ausreichend Energie. Süßkartoffeln in kleinen Mengen stabilisieren den Blutzuckerspiegel sanft, während fettarmer Hüttenkäse gut verträglich ist und reich an leicht verfügbarem Protein. Auch Bananen in Maßen können helfen – sie enthalten Kalium und wirken leicht beruhigend.
Vermeiden Sie unbedingt schwer verdauliche Leckerlis, getrocknete Kauartikel oder Futter mit hohem Fettgehalt. Auch Milchprodukte, abgesehen von kleinen Mengen Hüttenkäse, sind problematisch, da viele Hunde Laktose nur schlecht vertragen und dies die Verdauungsprobleme verstärkt.
Wasser richtig dosieren
Dehydrierung verschlimmert Stress und Unwohlsein massiv. Dennoch sollte Ihr Hund nicht unmittelbar vor der Fahrt große Mengen Wasser trinken, da ein schwappender, voller Magen die Übelkeit verstärkt. Bieten Sie einige Stunden vor Abfahrt Wasser an und reduzieren Sie die Menge kurz vor der Fahrt. Während längerer Fahrten sollten Sie regelmäßig Pausen einlegen, in denen Ihr Hund in Ruhe kleine Mengen trinken kann.

Ein praktischer Trick: Frieren Sie am Vorabend eine flache Schale mit Wasser ein. Während der Fahrt kann Ihr Hund das Eis lecken – so nimmt er langsam Flüssigkeit auf, ohne dass der Magen zu voll wird.
Die vergessene Rolle des Geruchssinns
Was viele nicht wissen: Der Geruch des Futters beeinflusst die Reisekrankheit. Stark riechende Nahrung – etwa mit Fisch oder intensiven Gewürzen – kann bereits vor der Fahrt Übelkeit auslösen oder verstärken. Entscheiden Sie sich für geruchsneutrales, mildes Futter in den Stunden vor der Reise.
Während der Fahrt sollten Sie niemals im Auto essen oder stark duftende Lebensmittel dabei haben. Der empfindliche Hundenasegeruch nimmt diese Reize um ein Vielfaches stärker wahr als wir Menschen – was für uns angenehm riecht, kann für den bereits gestressten Hund zu viel sein.
Langfristige Ernährungsstrategien
Wenn Ihr Hund regelmäßig reist, lohnt sich eine grundsätzliche Optimierung der Ernährung. Ein gesunder Darm mit stabiler Mikrobiota reagiert deutlich weniger empfindlich auf Stress. Probiotika und Präbiotika – etwa in Form von fermentierten Gemüsesorten oder speziellen Ergänzungsmitteln – können die Darmgesundheit nachhaltig stärken.
Eine kontinuierliche, hochwertige Ernährung ohne häufige Futterwechsel schafft Stabilität. Hunde mit sensibler Verdauung profitieren von einem Futter mit begrenzten Zutaten und ohne künstliche Zusatzstoffe, die zusätzliche Irritationen verursachen können.
Was während der Fahrt erlaubt ist
Bei längeren Fahrten benötigt Ihr Hund natürlich Nahrung. Bieten Sie in den Pausen kleine Portionen leicht verdaulicher Snacks an – niemals große Mahlzeiten. Bewährt haben sich gekochte Hähnchenbrust in mundgerechten Stücken, Reiswaffeln ohne Salz, Apfelstücke ohne Kerne sowie spezielle Reise-Kekse mit beruhigenden Kräutern wie Kamille oder Melisse.
Füttern Sie immer außerhalb des Fahrzeugs in ruhiger Umgebung. Ihr Hund sollte die Möglichkeit haben, sich zu bewegen und sein Geschäft zu verrichten, bevor die Fahrt weitergeht.
Wenn die Ernährung allein nicht reicht
Trotz aller Ernährungsmaßnahmen gibt es Hunde, deren Reiseangst so ausgeprägt ist, dass zusätzliche Hilfe nötig wird. In diesen Fällen kann der Tierarzt medikamentöse Unterstützung verschreiben – von pflanzlichen Präparaten mit Baldrian und Hopfen bis hin zu verschreibungspflichtigen Antihistaminika oder anderen Medikamenten gegen Übelkeit.
Die Ernährung ersetzt keine verhaltenstherapeutische Arbeit bei ausgeprägter Reisephobie, bildet aber ein wichtiges Fundament, auf dem alle weiteren Maßnahmen aufbauen. Ein ruhiger Magen ermöglicht erst einen ruhigen Geist. Viele Hunde, die traumatische oder beängstigende Erlebnisse im Auto hatten, verbinden diese mit künftigen Fahrten – hier ist professionelle Hilfe gefragt.
Praktische Vorbereitung macht den Unterschied
Die beste Strategie gegen Reisekrankheit kombiniert mehrere Ansätze. Neben der richtigen Ernährung spielen auch die Gewöhnung an das Auto, regelmäßige Pausen und eine angenehme Atmosphäre während der Fahrt eine wichtige Rolle. Lüften Sie das Fahrzeug gut, vermeiden Sie extreme Temperaturen und sorgen Sie für eine sichere, bequeme Unterbringung Ihres Hundes – ob in einer Transportbox oder mit einem speziellen Sicherheitsgurt.
Beginnen Sie bei ängstlichen Hunden mit kurzen Fahrten ohne negatives Ziel. Nicht jede Autofahrt sollte zum Tierarzt führen. Positive Erlebnisse – eine Fahrt zum Lieblingsspazierweg oder zu Freunden mit anderen Hunden – können helfen, das Auto wieder positiv zu besetzen. Jede Reise mit Ihrem Hund kann ein gemeinsames Abenteuer sein. Mit durchdachter Vorbereitung, angepasster Fütterung und viel Geduld helfen Sie Ihrem vierbeinigen Freund, die Welt entspannter zu entdecken.
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